Das kalte Wetter in Teilen der nördlichen Hemisphäre, einschließlich großer Teile Europas, wird durch das sogenannte „Sudden Stratospheric Warming“ (SSW)-Ereignis im Januar verursacht. Hervorgerufen durch den vorübergehenden Zusammenbruch des Polarwirbels erfährt Europa derzeit unterdurchschnittliche Temperaturen.

Meteomatics air temperature forecast Europe 12th Feb 2021

Lufttemperatur in °C, Isobaren des mittleren Luftdrucks auf Meereshöhe in hPa,.

Die kalten Wetterbedingungen über den meisten Teilen Kontinentaleuropas werden voraussichtlich bis in die nächste Woche hinein anhalten, wobei ein Hochdrucksystem über Norwegen kalte Luft bringt. Extreme Kälte ist nicht nur eine Belastung für die Menschen in diesen Regionen, sondern auch für wetterabhängige Branchen wie den Energiesektor. Kalte Wetterperioden haben hier einen großen Einfluss auf Nachfrage und Preise.

Am Donnerstag, den 4. Februar, erreichte der Stromverbrauch in Norwegen in den frühen Morgenstunden einen Rekordwert von über 25.000 Megawattstunden (MWh). Das drückte den Energiegroßhandel auf dem kurzfristigen Handelsmarkt auf eines der höchsten Niveaus seit fünf Jahren. In ähnlicher Weise haben europäische Märkte eine höhere Energienachfrage bei niedrigen Temperaturen erlebt, wobei einige befürchten, dass die Netze eine Rekordnachfrage für Strom erleben könnten.

Five highest periods of energy demand in France

Die fünf höchsten Perioden der Energienachfrage in Frankreich

Mit -17 °C in Berlin und -21 °C in Helsinki hat Europa in dieser Woche einige extrem niedrige Temperaturen erlebt. Die Energienachfrage hat dennoch nicht ganz das Niveau vom 28. Februar 2018 erreicht: mit 96,6 GW: in Frankreich.

In kalten Wetterperioden kann die durch erneuerbare Energien, wie Wind und Sonne, erzeugte Strommenge eine wichtige Rolle bei der Kompensation des hohen Energiebedarfs spielen. Daher sind verlässliche Wind- und Solarstromprognosen mit hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung für Netzbetreiber unerlässlich.

In der folgenden Grafik wird die aktuelle nationale Windleistungsprognose von Meteomatics für Deutschland für den 12. bis 18. Februar gezeigt. Ab dem 14. Februar wird eine hohe Unsicherheit (graue Linien in der Grafik) sichtbar. Die Streuung der Ensemble-Mitglieder erlaubt eine Einschätzung der Prognoseunsicherheit.

Meteomatics national wind power forecast for Germany. Individual models, ensemble members and mix forecast.

Meteomatics nationale Windleistungsvorhersage für Deutschland. Einzelne Modelle, Ensemblemitglieder und Mix-Prognose.

Ähnlich unsicher ist auch die Wettervorhersage für Frankreich. Denn die Wettermodelle sind sich uneinig über die Ausdehnung des Hochdrucksystems und wie stark das herannahende Tiefdrucksystem vom Atlantik die Temperaturen erhöhen und höhere Windgeschwindigkeiten nach Frankreich bringen wird.

Meteomatics national wind power forecast for France. Individual models, ensemble members and mix forecast.

Meteomatics nationale Windleistungsvorhersage für Frankreich. Einzelne Modelle, Ensemblemitglieder und Mix-Vorhersage.

Der geschwächte Jet-Stream macht das aktuelle Wettermuster über Europa unbeständig und bringt ein hohes Maß an Unsicherheit mit sich, was die Entwicklung und Bewegung von Tiefdrucksystemen betrifft. Für die Energieversorger besteht das Risiko, dass sich die niedrigen Temperaturen in der kommenden Woche sowohl in Frankreich als auch in Deutschland fortsetzen könnten.

Ensemble member forecast Berlin - 12.02-22/02

Vorhersage der Ensemblemitglieder Berlin - 12.02-22/02

Ensemble member forecast Paris - 12.02-22/02

Vorhersage der Ensemblemitglieder Paris - 12.02-22/02

Die Wahrscheinlichkeit, dass sowohl in Frankreich als auch in Deutschland weiterhin niedrige Temperaturen herrschen werden, scheint sich ab dem 15. Februar zu verringern. Das führt voraussichtlich zu einer geringeren Lead-Nachfrage nach Energie, da nur einzelne Ensemblemitglieder ein Comeback des kalten Wetters in Paris vorhersagen. Was darauf hindeutet, dass die Energiepreise ihren jüngsten Höchststand überschritten haben könnten. Bereits am 10. Februar erreichte dieser >136 €/MWh an der European Power Exchange (EPEX).

Um fundierte Entscheidungen auf Basis der sich entwickelnden Wettersituation treffen zu können, liefert Meteomatics maßgeschneiderter Informationen für den Energiemarkt. Dazu gehören unter anderem abwärts skalierte probabilistische Vorhersagen, welche Strom- und Energieversorgungsunternehmen dabei helfen, die Wetterunsicherheit für jede ihrer Anlagen weltweit zu bewerten. Zudem liefert Meteomatics herunterskalierte Daten (zeitlich und horizontal) sowohl für Ensemble- als auch für deterministische Vorhersagen weltweit.

Um die genaueste Vorhersage zu liefern, optimiert Meteomatics die Wettermodelle unter Verwendung aktueller Wetterbeobachtungen mit dem Meteomatics Model Mix (vgl. rote Linie in der Grafik). Der Meteomatics Model Mix hilft Unternehmen fundierte Entscheidungen zu treffen, um einen Wettbewerbsvorteil auf dem Energiemarkt zu erlangen, durch das Beseitigen der Komplexität in der Handhabung und die Bewertung numerischer Wettermodelle und Beobachtungen.