In der vergangenen Woche hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft den Bericht zur diesjährigen Getreideernte mit einem enttäuschenden vorläufigen Ergebnis vorgelegt. Nach großen Erwartungen an die diesjährige Ernte im Frühsommer brachten zahlreiche erhebliche Kaltfrontpassagen in den Sommermonaten kühle Luftmassen nach Deutschland. Solche unbeständigen Wettermuster erschweren eine zuverlässige Planung im Agrarsektor. Der Zugang zu hochaufgelösten regionalen Wetterdaten kann helfen, diese Muster besser vorherzusehen. Maßgeschneiderte landwirtschaftliche Wetterdaten und -indizes geben der Branche die notwendigen Instrumente an die Hand, um Ressourcen effizienter zu planen.

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Der Bericht über die diesjährige Getreideernte zeigt, dass das unbeständige Sommerwetter die erwarteten Ernteergebnisse für die deutsche Landwirtschaft im Jahr 2021 gesenkt hat. Regional überdurchschnittliche Regenmengen sowie Einschränkungen durch Hagel und Gewitter führten zu Ernteschäden und Verlusten. Abbildung 1 zeigt ein Beispiel für die unbeständige Wetterlage mit einem Kälteausbruch, der nach einer Wärmeperiode am 10. Mai 2021 mit Polarluftmassen und Niederschlägen eintrifft.

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Abbildung 1: Beispiel für einen Kälteausbruch am 10. Mai 2021 mit Warmluftadvektion vor dem Eintreffen kalter polarer Luftmassen.

Vor allem die südlichen Teile Deutschlands waren von überdurchschnittlichen Regenmengen betroffen, mit außergewöhnlich hohen Mengen im Mai, Mitte und Ende Juni sowie Mitte August. Was sich für die Landwirtschaft, nach mehreren Jahren trockener Sommer, wie ein Grund zur Freude anhört, führte aufgrund von Starkregen und Unwettern zu Störungen der Ernteabläufe. Die außergewöhnlich hohe Anzahl von Regenereignissen in Süddeutschland führte sogar zu einer Sättigung der Böden, wie in Abbildung 2 dargestellt, indem die Bodenfeuchte den Wert 1 überschritt. Was wiederum führte dazu, dass überschwemmte Felder nicht mit Erntemaschinen befahren werden konnten und es zu Ernteausfällen aufgrund der Bodensättigung kam.

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Abbildung 2: Bodenfeuchte-Index am 8. August 2021 über Europa. In den rot hervorgehobenen Regionen überschritt der Bodenfeuchte-Index den Wert von 1, was auf einen gesättigten Boden hinweist.

In einigen nördlichen Teilen Deutschlands, wie beispielsweise in Brandenburg, kam es dagegen zu Trockenphasen. Abbildung 3 zeigt das 10-jährige Temperaturmittel im Vergleich zur Tagesmitteltemperatur zwischen dem 1. Mai und dem 1. September 2021. Sie verdeutlicht die teils stark überdurchschnittlichen Temperaturen in den nördlichen Teilen Deutschlands im Juni und Juli dieses Jahres. Während die Temperaturen in den südlichen Teilen Deutschlands keine größeren Abweichungen von den Mittelwerten aufwiesen. Dieses Verhalten spiegelt sich auch in der Bodenfeuchte wider, vgl. Abb. 4 und 5 unten.

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Abbildung 3: 10-Jahres-Mitteltemperatur im Vergleich zur Tagesmitteltemperatur in Norddeutschland, von Mai bis September 2021.

 

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Abbildung 4: Bodenfeuchteindex für 2 Tiefenschichten in Norddeutschland, von April bis August 2021.

 

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Abbildung 5: Bodenfeuchteindex für 2 Tiefenschichten in Süddeutschland, von Mai bis August 2021.

 

Insgesamt zeigt der Bericht zur Getreideernte in Deutschland, dass das Jahr 2021 erneut durch erhebliche regionale Unterschiede in den Ernteergebnissen gekennzeichnet ist. Dabei ist die Bandbreite der negativen Wetterauswirkungen auf die Ernte groß, in einigen betroffenen Regionen steht die Landwirtschaft vor Ernteausfällen, während in anderen die Ernte qualitativ beeinträchtigt wird. Wiederkehrende unbeständige Wettermuster wie diese demonstrieren den Bedarf an hochaufgelösten regionalen Wetterdaten und Agrarindizes, um die Ressourcen in der Landwirtschaft in Zukunft effizienter zu planen.